Ich wusste, dass es im Grunde fast umnöglich war, sich im Nachhinein an Details meines Spiels im Hauptevents zu erinnern, also steckte ich mir mein Moleskine Notizbuch, was als Van Gogh, Picasso, and Hemmingway Ausgabe existierte, in die Hosentasche, und schwor mir, meine Gedanken und Gefühle alle halbe Stunde oder zumindest nach jeder bedeutenden Hand aufzuzeichnen.
Ich nahm an, dass diese Methode mir helfen würde, meine Gedanken und meine Anstrengungen auf einem Blatt zu konzentrieren, was keine leichte Übung ist, wenn man in einem Turnier spielt, dass um 12h mittags beginnt und gegen 3:30h oder 4:00h des nächsten Morgen endet.
Ich hatte also einen Plan und hoffte, dass meine Notizen mir helfen würden, meine Ziele im Auge zu behalten. Ich hatte mirt fest vorgenommen, dass ich vor dem Flop auf keinen Fall All-In gehe, ausgenommen den Fall, ich hätte zu wenig Stack oder Pocket Asse oder wäre mir sicher, die beste Pokerhand am Tisch zu haben. Ich war davon überzeugt, dass es an den ersten Tagen eines solchen Turnieres sowieso nur ums Überleben geht. Die Kehrseite von All-In gehen und verlieren, wiegt schwerer als das Gewinnen einer All-in Konfrontation, was ich vermeiden wollte. Alle meine Chips wollte ich auf einmal nicht riskieren.
Ich beabsichtigte also ein paar wenige Pots zu spielen, in denen ich im Vorteil war und somit bis Tag 2 zu überleben. Später würde sich der Plan ändern. Jedoch muss man erstmal bis “später” kommen und das ist ein schwieriges Unterfangen - Plan hin oder her.
Letztendlich begann Tag 1 für mich etwas mühselig. Ich befand mich in folgender Situation:
Ich passe mit meinen ersten fünf Händen, die ich ausgeteilt bekam, obwohl irgendwo im Pokerraum ein Spieler bereits mit seiner zweiten Hand außer Gefecht gesetzt wurde. An meinem Tisch sitzen lauter Spieler, die ich nicht kenne, ausgenommen David Williams, der bei diesem Event vor einigen Jahren den zweiten Platz belegte und Greg Raymer im Hauptevent unterlag.
Ich befinde mich in einem Raum mit den namenhaftesten Spielern und sehe Sam Farha, Bill Chen, Patrick Antonius, Tony G und David Singer an benachbarten Tischen.
Mein Tisch ist sehr aggressiv. Jede Hand wird erhöht und gegen 0:30h nachts liegt vor Williams ein riesiger Stack, und er spielt eine Hand nach der anderen.
Meine Bilanz: Nach einer halben Stunde Turnier, habe ich zwei kleine Pots gespielt und auch beide gewonnen. Um 13h, nach einer Stunde Turnier, befinde ich mich in der Gewinn-Zone, gerade noch so. Ich verfüge über $20.500, was nur $500 mehr als mein Anfangs-Stack ist, wenn ich einen A-T habe, ein Top Paar floppe und es keine Caller in meinen $300 Einsatz gibt.